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2000/4 Arbeitswelt im Wandel politische Herausforderungen Changing patterns of work political challenges |
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ÖZP 2000/4, 399-415 [INHALT] [English] Marcel Fink (Wien) Die zunehmende Verbreitung atypischer Beschäftigung zählt mit Arbeitslosigkeit zu jenen Phänomenen, die zur Zeit die Entwicklung am Erwerbsarbeitsmarkt am nachhaltigsten prägen. Der Beitrag beschäftigt sich mit Ursachen und internationalen Entwicklungstrends dieser zunehmenden Verbreitung und analysiert Steuerungsoptionen und -strategien in international vergleichender Perspektive, um so Kriterien einer sozial verträglichen Gestaltung der zu beobachtenden Veränderungen näher zu benennen. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass vor dem Hintergrund einer nur bedingten direkten Steuerbarkeit der Verbreitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse wie auch einer nur begrenzt umsetzbaren arbeitsrechtlichen Qualitätssicherung der sozialrechtlichen Absicherung solcher Beschäftigungsverhältnisse und einer darüber hinausgehenden Kontextsteuerung wesentliche Bedeutung zukommt. ÖZP 2000/3, 417-431 [INHALT] [English] Sieglinde Katharina Rosenberger (Wien) Der Beitrag behandelt Phänomene des "doppelten Strukturwandels" der Frauenerwerbsarbeit im Sog des allgemeinen Wandels der Arbeitsgesellschaft. Gesellschaftliche Individualisierung, Erosion der männlichen Normalarbeitsbiographien und verstärkte weibliche Arbeitsmarktbeteiligung bei gleichzeitiger Verschärfung der Arbeitskontraktsegregation sind Kennzeichen dieser Re-Organisation bzw. Krise der Erwerbsarbeit. Die politischen Antworten auf diese Veränderungen variieren im europäischen Vergleich erheblich. In einigen Ländern wird das sog. duale Erwerbsmodell forciert, bei dem in sozial- und familienpolitischen Regelungen Frauen wie Männer als Erwerbstätige konzeptualisiert sind. In Österreich sind zwar hinsichtlich der Erwerbsbeteiligung und der Entwicklung der Arbeitsformen ähnliche Tendenzen festzustellen, alleine die politischen Forderungen deuten eine Verschiebung in der Kontextualisierung der Frauenerwerbsarbeit an: In familien- und sozialpolitischen Diskussionen dominieren Frauen als Mütter und nicht als Erwerbstätige. Diese politische Konstruktion von Frauen als beruflich Unterbrechende, Betreuende, Wiedereinsteigende, Dazuverdienerin etc. steht in krassem Kontrast zur statistischen Wirklichkeit, die eine hohe Frauenerwerbstätigkeit sowie wachsende berufliche Kontinuität ausweist. ÖZP 2000/3, 433-448 [INHALT] [English] Jörg Flecker (Wien) Im Beitrag werden empirische Befunde über die Entwicklung von Arbeitsorganisation referiert, die den modischen Argumenten widersprechen, wonach unter dem Druck des Marktes und zur Nutzung technologischer Potenziale schon aus ökonomischem Interesse der Unternehmen neue Arbeitsformen etabliert würden, die zugleich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen bewirken. Dem wird die These von der Notwendigkeit und Möglichkeit einer politischen Gestaltung der Arbeitsorganisation entgegengestellt. Der Begriff Arbeitsorganisation wird in diesem Beitrag sowohl in einem engen Sinn von Arbeitsteilung, Kooperation und Kontrolle als auch in einem weiten Sinn der zeitlichen und vertraglichen Formen des Personaleinsatzes behandelt. Im zweiten Teil des Artikels werden nach einem theoretisch gehaltenen Hinweis auf die Kräfte, welche die Entwicklung der Arbeitsorganisation bestimmen, konkrete Programme und Maßnahmen der direkten und indirekten politischen Gestaltung der Arbeitsorganisation in verschiedenen europäischen Ländern angesprochen. Je intensiver der globale ökonomische Wettbewerb - so die Schlussfolgerung -, desto wichtiger wird politische Gestaltung mittels Restriktionen, die auf betrieblicher Ebene nicht zur Disposition stehen. ÖZP 2000/3, 449-463 [INHALT] [English] Bernhard Kittel (Wien) Die Arbeitszeitflexibilisierung war ein zentrales Thema der Kollektivverhandlungen der 1990er Jahre in Österreich. An Hand einer Analyse ausgewählter Branchen (Metall, Textil, Papier/Druck und Bau) zeigt der Aufsatz, dass die beachtliche Variation kollektivvertraglicher Verhandlungsverläufe und kollektivvertraglich vereinbarter Arbeitszeitregelungen mit dem Verhandlungshorizont der beteiligten Akteure erklärt werden kann. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad und -bereich sowie der Verbandstyp der Arbeitgeberseite spielen dabei eine wesentliche Rolle: Je stärker die institutionellen Anreize zu einer gesamtwirtschaftlich ausgerichteten Politik sind, desto eher kommt ein Kompromiss zustande. Zugleich zeigen die Verhandlungsverläufe, dass eine Beurteilung der Entwicklung der Sozialpartnerschaft die Diversität kollektivvertraglicher Verhandlungsarenen nicht unterschätzen darf. ÖZP 2000/3, 465-479 [INHALT] [English] Die Behauptung, durch gezielte Maßnahmen der Qualifizierung von (potenziellen) Arbeitskräften die Arbeitslosenraten verringern zu können, wird heute von allen politischen Gruppierungen geteilt. Im vorliegenden Artikel wird dargestellt, dass sich in dieser Behauptung, für die - wie nachgewiesen wird - kein empirischer Beweis vorliegt, eine allgemeine Entpolitisierung widerspiegelt. Indem so getan wird, als ob im Bildungsargument der Interessenswiderspruch von Kapital und Arbeit neutralisiert würde, wird der gegenwärtige Trend verstärkt, gesellschaftliche Phänomene primär moralisch und nicht als Folge der Durchsetzung von Interessen zu interpretieren. Arbeitslosigkeit wird zum Qualifikationsproblem erklärt, dem es durch nationale Anstrengungen zu begegnen gilt, und kann so nicht als Folge der Tatsache wahrgenommen werden, dass ArbeitnehmerInnen nicht ausreichend an den Produktivitätsfortschritten der letzten Jahre partizipieren können. Auf Basis dieser Argumentation dient Lernen nicht mehr dazu, die Welt zu begreifen, um sie im Sinne eigener Interessen und Bedürfnisse mitgestalten zu können; es verliert seine emanzipatorische Potenz und pervertiert schlussendlich zum Unterwerfungsritual. ÖZP 2000/3, 481-493 [INHALT] [English] Manfred Füllsack (Wien) Als Fallbeispiel für die Schwierigkeiten des postsowjetischen Transformationsprozesses thematisiert der vorliegende Aufsatz das Schicksal der Bemühungen um eine "sozialpartnerschaftliche" Lösung der Beschäftigungsprobleme im postsowjetischen Russland. Im Mittelpunkt stehen dabei zum einen die Konflikte zwischen den traditionellen, ehemals sowjetischen Großgewerkschaften und den sich im Zuge der postsowjetischen Reformen herausbildenden neuen Alternativgewerkschaften. Zum anderen bemüht sich der Aufsatz, die Schwierigkeiten zu beleuchten, die einerseits der mangelnde Wille der Arbeitgeberseite, sich zu organisieren und an Tarifverhandlungen teilzunehmen, und andererseits eine Reihe von "postsowjetischen" Strukturproblemen der effektiven Arbeit einer "Trilateralen Kommission" in Russland bereitet hat. |