2001/4
Beiträge zur Sicherheits-, Steuer- und Forschungspolitik

 

ÖZP 2001/4, 377-391   [INHALT]   [Englisch]

Joachim Giller (Wien)
NICHT-MILITÄRISCHES KRISENMANAGEMENT IN EUROPA ALS SICHERHEITSPOLITISCHES PROFILIERUNGSFELD BÜNDNISFREIER UND NEUTRALER KLEINSTAATEN

Unter dem Blickwinkel der Ausgewogenheit zwischen militärischen und zivilen Mitteln des internationalen Krisenmanagements untersucht der Beitrag zunächst die Behandlung dieses Aspekts in den wichtigsten Sicherheitsorganisationen. Im besonderen geht es um die entsprechenden Anpassungsleistungen militärisch schwacher Kleinstaaten mit neutraler Tradition: Am Beispiel Österreichs wird gezeigt, dass eine überproportionale Teilhabe an den Militärstrukturen der EU mit dem grundsätzlichen Bekenntnis zur Bedeutungsgleichheit von militärischem und nicht-militärischem Krisenmanagement kontrastiert. Daran schließt die Frage an, ob Allianzfreie bzw. Neutrale nicht eine angemessenere und effizientere Rolle beim Aufbau der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik einnehmen würden, wenn sie ihre Beiträge dem bewährten Profil gemäß auf zivile und humanitäre Mittel konzentrierten.


ÖZP 2001/4, 393-410     [INHALT]   [Englisch]

Kari Möttölä (Helsinki)
MILITARY COOPERATION, TRANSATLANTIC RELATIONS AND MILITARY NON-ALLIANCE - a conceptual analysis with a focus on the cases of Finland and Sweden

Der Artikel behandelt die Teilnahme militärisch bündnisfreier Mitgliedstaaten der Europäischen Union - mit Finnland und Schweden als Fallbeispielen - an der im Entstehen begriffenen internationalen militärischen Kooperation in Europa. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den Implikationen von Bündnisfreiheit für ihre Rolle in den transatlantischen Beziehungen geschenkt. Finnlands und Schwedens Beziehungen zur NATO im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden (PfP) folgt der Logik institutionalistischer Trends in der Theorie und Praxis internationaler Beziehungen. Im Zuge der NATO-Erweiterung in der Region sind die beiden Staaten mit Machtpolitik konfrontiert, wobei die Option ihrer eigenen Mitgliedschaft durch politische und Identitätsfaktoren bestimmt wird. Durch ihre aktive Rolle im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESDP) der EU sind Finnland und Schweden Teil des Mainstreams der Union. Sie lassen sich dabei von pragmatischen Zielen der Entwicklung einer autonomen Handlungsfähigkeit der EU in Kooperation mit der NATO leiten, wobei sie die Autonomie der Entscheidungsfindung der Union als Basis weiterer Integration zu verteidigen suchen. Dadurch verfolgen die beiden Staaten dezidiert europäische politische Ziele, die in zunehmendem Maße von den Zielen der USA in Bezug auf Themen der globalen Sicherheit abweichen können. In Zukunft werden die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie die ESDP die effektivsten Mittel Finnlands und Schwedens zur Beeinflussung der transatlantischen Beziehungen sein.


ÖZP 2001/4, 411-423     [INHALT]   [Englisch]

Hannes Winner (Innsbruck)
ÖSTERREICH UND DEUTSCHLAND - Gemeinsame Wege in der Steuerpolitik, aber wer bestimmt die Richtung?

Der steuerpolitischen Interaktion zwischen Österreich und Deutschland wurde in der neueren politik- und wirtschaftswissenschaftlichen Literatur vermehrt Aufmerksamkeit zuteil. Wagschal (2001) konnte etwa zeigen, dass die beiden Länder in ihrer Steuerpolitik von einem ähnlichen politisch-institutionellen Hintergrund ausgehen. Die zunehmende Internationalisierung und der daraus resultierende Druck zur Anpassung der Steuersysteme dienen ferner als Erklärung für die erhöhte Steuerreformaktivität in beiden Ländern. Der vorliegende Beitrag ergänzt einige Aspekte von Wagschal (2001) aus ökonomisch-empirischer Sicht. Dazu wir anhand von ökonometrischen Kausalitätstests für die steuerlichen Belastungen von Kapital, Arbeit und Konsum untersucht, ob beide Länder in ihrer Steuerpolitik von internationalen Entwicklungen beeinflusst sind und welches der beiden Nachbarländer dabei die steuerpolitische Vorreiterrolle einnimmt. Im Ergebnis lassen sich beide Fragen nicht eindeutig beantworten. Dies lässt darauf schließen, dass beide Länder vorwiegend eine innenorientierte Steuerpolitik verfolgen, die darauf bedacht ist, die nationalen sozial- und wirtschaftspolitischen trade-offs zu lösen.


ÖZP 2001/4, 425-438     [INHALT]   [Englisch]

David F. J. Campbell (Wien)
POLITISCHE STEUERUNG ÜBER ÖFFENTLICHE FÖRDERUNG UNIVERSITÄRER FORSCHUNG?
Systemtheoretische Überlegungen zu Forschungs- und Technologiepolitik

Über Forschungs- und Technologiepolitik, im Besonderen über die öffentliche Förderung universitärer Forschung, kann Politik steuernd auf das Wissenschaftssystem einwirken. Der Politik stehen dafür zumindest zwei Steuerungsoptionen zur Verfügung: 1) Allokation und Reallokation (öffentlicher) Ressourcen sowie 2) politische Überzeugungsarbeit durch Kommunikation und Anreizsetzung. Ein Ziel der Eigenrationalität des Wissenschaftssystems liegt in der Hervorbringung universitärer Forschung von hoher Qualität und Effektivität: Systemtheoretisch gesprochen ist politische Steuerung dann erfolgreich, wenn sie die Qualität und Effektivität universitärer Forschung unterstützt. Dabei muss die Politik aber auch die Autonomie des Wissenschaftssystems respektieren.


ÖZP 2001/4, 439-446     [INHALT]   [Englisch]

Gilbert Weiss (Wien)
THEORIE, POLITIK UND REZEPTION. Kommentar zu Hans-Martin Schönherr-Manns Artikel "Politisches Ordnungsdenken aus christlichem Glauben. Eric Voegelins Antwort auf das Zeitalter der Ideologien" (ÖZP 1/2001)

Hans-Martin Schönherr-Manns Aufsatz wendet sich einem hierzulande weithin vergessenen, im anglo-amerikanischen Sprachraum dafür umso bekannteren Denker zu: Eric Voegelin. Schönherr-Manns Darstellung bleibt allerdings mangelhaft und wird der Person und dem Werk Voegelins kaum gerecht. Erstens wird Voegelin vom Autor vorschnell und fälschlich als "religiöser Mensch" und "gläubiger Christ" dargestellt. Zweitens wird dann die Theorieposition selbst über diese Religiosität definiert ("Ordnungsdenken aus christlichem Glauben"), ehe sie drittens politisiert wird, indem sie im amerikanischen "Bibelgürtel" und in der "religiösen Rechten" verortet wird. Voegelin erscheint in der Folge als Botschafter einer "missionarischen Gewissheit des religiösen Glaubens", in dessen Werken die McCarthy-Ära "widerhallen" würde. Diese Darstellung Schönherr-Manns ist zu korrigieren, wenn eine seriöse und kritische Auseinandersetzung mit der politischen Philosophie Eric Voegelins ermöglicht werden soll.

 

ÖZP - Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft