2002/1
Parteienfinanzierung im internationalen Vergleich

 

ÖZP 2002/1, 7-20   [INHALT]   [Englisch]

Karl-Heinz Naßmacher (Oldenburg)
DIE KOSTEN DER PARTEITÄTIGKEIT IN WESTLICHEN DEMOKRATIEN

Der Artikel bemüht sich um einen internationalen Vergleich der Aufwendungen für den politischen Wettbewerb in entwickelten Demokratien. Ein erster Analyseschritt belegt, dass steigende Ausgaben für politische Zwecke nicht durch Wahlwerbung in den elektronischen Medien verursacht sind. Moderne Wahlkampfführung mag durchaus zu kontinuierlich steigenden Ausgaben bei Parteien und Kandidaten bzw. Kandidatinnen führen. Ein Vergleich muss jedoch eine Vielzahl von intervenierenden Variablen berücksichtigen. Mit den verfügbaren Daten lassen sich die Kostenniveaus der einzelnen Demokratien unterschiedlichen Gruppen zuordnen. Das dabei erkennbare Muster ist unabhängig von der Größe des Landes und hat sich im Zeitablauf nicht wesentlich verändert. Als deutlichste Ursache für unterschiedliche Kostenniveaus erweist sich der Gegensatz zwischen ausgebauten Parteiorganisationen in der Fläche und stärker wahlkampfbezogenen Aktivitäten politischer Parteien. Die abschließende Betrachtung von Wirkungen öffentlicher Parteienfinanzierung ergibt ein hohes Maß an Übereinstimmung zwischen Gesamtkosten- und Subventionsniveau. Die verfügbaren Daten erlauben jedoch keine Entscheidung darüber, ob dem ein Kostenschub oder ein Einkommenssog zugrunde liegt..


ÖZP 2002/1, 21-40     [INHALT]   [Englisch]

Janis Ikstens (Vidzeme, Latvia) / Michael Pinto-Duschinsky (Brunel, UK) / Daniel Smilov (Budapest/Oxford) / Marcin Walecki (Oxford)
POLITICAL FINANCE IN CENTRAL EASTERN EUROPE: AN INTERIM REPORT

Der Beitrag analysiert Gesetze und Regelungen über die Finanzierung von politischen Parteien und Wahlkampagnen in 17 Ländern: Albanien, Weißrussland, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei und Ukraine. Er bietet einen Überblick über die Kosten der Politik in einigen dieser Länder und stellt Hypothesen auf zu Mustern der Politikfinanzierung in Mittelosteuropa. Ein zentrales Ergebnis ist die Vielfalt der Politikfinanzierung in den untersuchten Ländern, was zumindest teilweise auf die unterschiedlichen historischen, politischen, sozialen und ökonomischen Merkmale der Länder in der Region zurückzuführen ist. Nach der Häufigkeit der angewandten Regelungen und Förderungen in den behandelten Ländern ergibt sich folgende Reihung: freie Sendungen in Radio und/oder TV: 100%; direkte staatliche Unterstützung von Parteien und/oder KandidatInnen: 76%; Ausgabenbeschränkungen (für Parteien und/oder KandidatInnen): 59%; Beschränkungen der Spenden an Parteien und/oder KandidatInnen: 47%. Die geringe Bedeutung von Mitgliedsbeiträgen scheint ein hervorstechendes Merkmal zu sein. In einigen der untersuchten Länder sind reiche "Oligarchen" als politische Finanziers aufgetreten, und einige post-kommunistische Parteien sind nach wie vor stark von Mieteinnahmen aus Gebäuden abhängig, die sie von den früheren kommunistischen Regimes geerbt haben..


ÖZP 2002/1, 41-60     [INHALT]   [Englisch]

Peter Filzmaier / Fritz Plasser (Innsbruck)
CAMPAIGN FINANCE IN DEN USA

Die USA stellen einen exemplarischen Fall für exponentiell steigende Wahlkampfausgaben, fragwürdige Finanzierungspraktiken und ein de facto kollabiertes Regelungssystem dar. Anhand der aktuellen Diskussion um die Wahlkampffinanzierung werden drei Problemperspektiven angesprochen: Erstens geht es um die Erforschung der Ursachen des steigenden Kapitalbedarfs kompetitiver Wahlkämpfe in den USA als Musterbeispiel einer Teledemokratie. Aus demokratietheoretischer Sicht zu diskutieren sind zweitens die aus finanziellen Wettbewerbsnachteilen resultierenden Konsequenzen eines verzerrten demokratischen Wettbewerbs. Finanz- und kapitalstarke Wettbewerber werden begünstigt, Personen und Gruppen, die über keine hinreichende Unterstützung finanzstarker Interessenlagen verfügen, werden zu chancenlosen Außenseitern gemacht. Die fortschreitende Verflechtung politischer und wirtschaftlicher Interessen führt zu Abhängigkeiten gewählter Amtsträger und erhöhter Korruptionsanfälligkeit. Drittens erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der geltenden Regelungslage, um die Transparenz und Chancengleichheit des demokratischen Wettbewerbs sicherzustellen. Reformen zur Beseitigung bestehender Defizite des aktuellen Rechts werden abschließend dargestellt.


ÖZP 2002/1, 61-72     [INHALT]   [Englisch]

Doris Cordes (Oldenburg)
PARTEIENFINANZIERUNG IN DEUTSCHLAND: TRANSPARENZ DURCH RECHENSCHAFTSPFLICHT?

Am Beispiel der Rechenschaftsberichte der deutschen Parteien wird aufgezeigt, wie transparent die Finanzen der Parteien tatsächlich sind. Die gesetzlich vorgegebenen Rubriken der Einnahmen, Ausgaben und des Vermögens werden dabei systematisch im Hinblick auf mehrere Kriterien beleuchtet. Beim Abgleich der Berichte mit realen Vorkommnissen hat sich gezeigt, dass zahlreiche Umgehungsmöglichkeiten genutzt wurden, wenngleich ein Großteil der aufgeführten Positionen realistisch erscheint. Daneben hat sich gezeigt, dass die historische Entwicklung der Positionen der einzelnen Parteien ebenso wie deren Rechenschaftsberichte untereinander nur in Grenzen vergleichbar sind. Im Gegensatz zur Rechenschaftslegung anderer Staaten ist das veröffentlichte Datenmaterial im Hinblick auf die nationale Vergleichbarkeit trotzdem als gut bis sehr gut zu beschreiben. Die Kehrseite der Medaille offenbart sich jedoch in der Tatsache, dass das umfassende Zahlenwerk, welches als Bundestagsdrucksache erscheint, aufgrund seines Umfanges nur noch von einem geringen Teil der Öffentlichkeit auch tatsächlich wahrgenommen wird bzw. wahrgenommen werden kann.


ÖZP 2002/1, 73-90     [INHALT]   [Englisch]

Hubert Sickinger (Wien)
ÜBERLEGUNGEN ZUR REFORM DER ÖSTERREICHISCHEN PARTEIENFINANZIERUNG

Der Beitrag untersucht mögliche Reformperspektiven der österreichischen Parteienfinanzierung. Zunächst wird ein Überblick über problematische Finanzierungswege der Parteien, insbesondere über Spenden, Kredite und bestimmte Bereiche der öffentlichen Parteienfinanzierung, geboten. Anschließend werden mögliche Ansatzpunkte für Reformen wie eine Stärkung der Eigenfinanzierung (Stärkung der Mitgliederorientierung der Parteien), eine substanzielle Verstärkung der Rechenschaftspflichten der Parteien (um die parteiinterne und öffentliche Kontrolle zu verbessern), Änderungen des Systems der öffentlichen Parteienförderung und eine Begrenzung von Wahlkampfausgaben aufgezeigt.


ÖZP 2002/1, 91-98     [INHALT]   [Englisch]

Bettina Scholdan (Wien)
KONFERENZBERICHT

"International Intervention. From Power Politics to Global Responsibility? 2001 Meeting of the Human Rights Research Committee of the International Political Science Association", veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft und dem Renner-Institut, 22.-26. August 2001, Gartenhotel Altmannsdorf, Wien.


ÖZP 2002/1, 99-112     [INHALT]   [Englisch]

Frane Adam / Matevz Tomšic (Ljubljana)
ELITES, DEMOCRACY AND DEVELOPMENT IN POST-SOCIALIST TRANSITION

Auf der Grundlage umfangreicher empirischer Daten aus Forschungen über die Elitenbildungsprozesse in den post-sozialistischen Ländern und mit Hilfe anderer Indikatoren der politisch-ökonomischen Entwicklung untersuchen die Autoren, wie sich Muster der Elitenreproduktion bzw. -zirkulation auf Prozesse der Demokratisierung und der sozioökonomischen Entwicklung auswirken. Sie behandeln dabei ein bisher eher vernachlässigtes Thema: die Frage, wie sich zwischen den beiden Segmenten der politischen Elite, die Pareto als die regierende und die nicht-regierende Elite bezeichnet hat, ein Gleichgewicht herstellen lässt.

 

ÖZP - Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft