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ÖZP 2002/2, 127-142 [INHALT] [Englisch]
Uwe Serdült (Zürich)
SOZIALE NETZWERKANALYSE: EINE METHODE ZUR UNTERSUCHUNG VON BEZIEHUNGEN
ZWISCHEN SOZIALEN AKTEUREN
Dieser Überblicksartikel über die Anwendungsmöglichkeiten
der Sozialen Netzwerkanalyse im Bereich der Politikwissenschaft
besteht aus drei Teilen. In einem kurzen Einstieg sollen die
verschiedenen Dimensionen des Netzwerkbegriffs gegeneinander
abgegrenzt werden. Im Artikel geht es explizit um die Soziale
Netzwerkanalyse als quantitative Methode. Ein kurzer historischer
Abriss und die Erörterung der wichtigsten Prinzipien der
Sozialen Netzwerkanalyse runden diesen Teil ab. Der ausführliche
zweite Teil soll einen Einblick in zwei wichtige Forschungsstränge
und dazugehörige empirische Studien bieten. Als erstes wird
die Verwendung von netzwerkanalytischen Massen und Verfahren
anhand eines inter-organisatorischen Politiknetzwerkes illustriert.
Für PolitikwissenschaftlerInnen, die sich für Wahl-
und Abstimmungsforschung interessieren, sind insbesondere ego-zentrierte
Netzwerke eine weitere Einsatzmöglichkeit der vorgestellten
Methode. In einem dritten Teil werden kurz die momentan laufenden
methodischen Weiterentwicklungen der Sozialen Netzwerkanalyse
präsentiert. Einerseits gibt es Versuche, Veränderungen
über die Zeit untersuchen zu können; andererseits sind
Modelle entwickelt worden, die es erlauben, relationale und attributive
Daten simultan auszuwerten.
ÖZP 2002/2, 143-158 [INHALT] [Englisch]
Christoph Hofinger / Günther Ogris (Wien)
ORAKEL DER NEUZEIT: WAS LEISTEN WAHLBÖRSEN, WÄHLERSTROMANALYSEN
UND WAHLTAGSHOCHRECHNUNGEN?
Wahlbörsen, Wählerstromanalysen und Hochrechnungen
werden zwar in der Öffentlichkeit viel beachtet, in der
politikwissenschaftlichen Forschung aber nur selten diskutiert,
weil die Methodologie jeweils komplex und ungewohnt ist. Alle
Verfahren weisen eine Reihe spezifischer Probleme auf, die die
Wahlsoziologie nur in Kooperation mit den Experimental Economics,
aus denen die Wahlbörsen kommen, und mit der Statistik,
aus denen die Wählerstromanalyse kommt, lösen kann.
Wahlbörsen haben nach ihren anfänglichen Prognose-Erfolgen
eine Größe und eine Öffentlichkeitswirkung erlangt,
die die Vorhersagegenauigkeit vermutlich wieder stark beeinträchtigen.
In unserem Beitrag fassen wir die jüngste Geschichte der
Political Stock Markets zusammen und geben einige Design-Empfehlungen.
Wählerstromanalysen, die auch die Basis für Wahltagshochrechnungen
liefern, sind mit einer Reihe von methodischen Herausforderungen
konfrontiert. Wir belegen mit österreichischen Wahldaten
die andernorts geäußerte Vermutung, dass einer adäquaten
Gruppierung von Gemeinden zur Vermeidung eines aggregate bias
die höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.
ÖZP 2002/2, 159-172 [INHALT] [Englisch]
Birgit Weiss (Wien)
SOCIAL RESEARCH GOES INTERNET: ONLINE-FORSCHUNG AUF DEM WEG ZUM
INNOVATIVEN INSTRUMENTARIUM DER POLITIKANALYSE
Die Entwicklung neuer und innovativer Technologien ermöglicht
die Weiterentwicklung methodologischer Forschung; dies trifft
insbesondere auf die erweiterten Möglichkeiten für
das sozialwissenschaftliche Methodeninstrumentarium durch die
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zu.
Im vorliegenden Beitrag soll zunächst eine Begriffsklärung
vorgenommen werden, der ein allgemeiner Überblick über
die quantitative Onlineforschung, ihre derzeit gebräuchlichsten
Methoden sowie eine Diskussion der Grenzen der Onlineforschung
folgt. Im dritten Teil des Textes soll auf die Chancen für
qualitative Forschungsmethoden durch Neue Technologien hingewiesen
und auf zwei Fallbeispiele eingegangen werden. Den Abschluss
bildet ein Ausblick auf potenzielle Anwendungsmöglichkeiten
der Ansätze der Onlineforschung in der politikwissenschaftlichen
Forschung.
ÖZP 2002/2, 173-190 [INHALT] [Englisch]
Gregor Matjan (Wien)
WENN FOTOS NICHT LÜGEN KÖNNEN, WAS KÖNNEN SIE
DANN? ZUM EINSATZ DER FOTOANALYSE IN DER POLITIKWISSENSCHAFT
Fotografien bilden ein weithin unbeachtetes Quellenmaterial
in der Politikwissenschaft. Wenn Sie eingesetzt werden, dann
rein illustrativ oder als Mittel historischer Beweisführung.
Folglich findet eine methodologische Beschäftigung mit dem
Medium Fotografie kaum statt, weshalb es vielfach zu Fehlschlüssen
und Überinterpretationen kommt, was die Funktion von Fotos
in politologischen Kontexten betrifft. Fotoanalyse wird dagegen
als Methode dargestellt, die auf Basis von "visual literacy"arbeitet.
Neben der Geschichte der politischen Verwendung des Mediums selbst
werden dabei auch erkenntnistheoretische und semiotische Positionen
berücksichtigt, die in Nachbardisziplinen wie der Philosophie
von Vilém Flusser oder Roland Barthes ausgearbeitet wurden.
ÖZP 2002/2, 191-204 [INHALT] [Englisch]
Roman Horak / Georg Spitaler (Wien)
"DAS POLITISCHE" IM FELD: ÜBER ETHNOGRAPHIE UND
DIE MÖGLICHKEITEN POLITIKWISSENSCHAFT-LICHER KULTURSTUDIEN
Politikbegriffe und Methodenbegriffe bedingen einander. Wo
sich politologische Forschung auf die Suche nach "dem Wirksamwerden
von Politik" außerhalb der Institutionen und Foren
klassischer enger Politikdefinitionen begibt (ins Feld des Popularen/Populären
und Alltäglichen), muss sie zu neuen methodischen Herangehensweisen
finden.
In den Cultural Studies hat sich in dieser Hinsicht, wenn auch
aus anderen Gründen, das Postulat ethnographischer Forschung
durchgesetzt. Die Implikationen wie auch Schwierigkeiten dieser
Forderung für unser Fach gilt es in diesem Beitrag zu beleuchten.
Zunächst werden in dieser Hinsicht einige politikrelevante
Traditionslinien ethnographischer Theorien in den Sozialwissenschaften
rekapituliert. Daran anschließend versucht der Aufsatz
die Umsetzung der theoretischen Prämissen an Hand eines
konkreten Untersuchungsfelds, dem Bereich der Jugendkulturen,
exemplarisch aufzeigen. Darüber hinaus wird die Verbindung
einer Rekonzeptualisierung "des Politischen" und ihre
Auswirkungen auf ethnographische Praxis am Beispiel einer möglichen
Forschungsagenda zu "jugendlichen" regierungs- und
globalisierungskritischen Protestformen in Österreich dargelegt.
ÖZP 2002/2, 205-216 [INHALT] [Englisch]
Irène Bellier (Paris)
IN AND OUT, FIELDWORK IN A POLITICAL SPACE: THE CASE OF THE EUROPEAN
COMMISSION
Auf der Grundlage von Feldforschung in der Europäischen
Kommission nähert sich die Autorin der Frage nach methodischen
Neuerungen in der politischen Anthropologie aus zwei Blickwinkeln.
Zum einen beschäftigt sie sich mit der Identifizierung der
Europäischen Kommission als Feld für anthropologische
Forschung und mit der Frage, welche Veränderungen für
die Anthropologie selbst die Wahl eines solchen Feldes mit sich
bringt.
Zum anderen beleuchtet sie das Problem der Konstruktion eines
Forschungsobjekts innerhalb einer Institution sowie der Subjektivität
der/s Forschenden. Die Verschiebung des analytischen Fokus auf
sowohl die internen (Herausbildung einer spezifischen "europäischen
Kultur") als auch die externen Aspekte (Verhältnis
zu anderen Organisationen) der europäischen Institutionen
bedeutet nicht nur eine Herausforderung für die politische
Anthropologie, sondern auch für die Institutionen selbst,
insbesondere, wenn diese zukünftig tatsächlich eine
neue Politik der "Transparenz und Offenheit" implementieren
wollen.
ÖZP 2002/2, 217-230 [INHALT] [Englisch]
Thomas Nowotny (Wien)
MARKETS, DEMOCRACY AND SOCIAL CAPITAL
Entgegen seinen Versprechungen hat der Kommunismus wirtschaftliche
Entwicklung und Modernisierung nicht beschleunigt. Die von ihm
betroffenen Zentral- / Osteuropäischen Staaten sind in ihrer
Entwicklung vielmehr hinter jenen Staaten zurückgeblieben,
die vor 70 Jahren noch gleich arm wie sie waren, die sich aber
inzwischen dem europäischen Durchschnitt angenähert
haben. In der Transformationskrise nach 1990 ist diese Kluft
sogar noch breiter geworden. Es gibt keinen Anhaltspunkt für
die These, dass die große Dauer und Tiefe dieser Transformationskrise
durch eine vorschnelle und zu vollständige Demokratisierung
verursacht worden wäre. Im Gegenteil: jene Staaten mit den
höchsten demokratischen Standards sind auch jene, die ihre
Wirtschaft am wirksamsten umgestaltet haben. Erfolgreiche Demokratisierung
und erfolgreiche Wirtschaftsreform scheinen also die selbe tieferliegende
Ursache zu haben: funktionierende gemeinschaftliche Einrichtungen
sind in beiden Bereichen unerlässlich. Gut funktionieren
können solche Einrichtungen aber nur dann, wenn sie sich
auf ausreichendes und passendes "Sozialkapital" von
wechselseitigem Vertrauen und Bereitschaft zur Zusammenarbeit
stützen können. Die Zerstörung dieses Kapitals
zählt zu den schädlichsten Erbstücken, die der
Kommunismus hinterlassen hat. Je weiter entfernt ein ex-kommunistisches
Land von den traditionellen Zentren der europäischen Modernisierung,
desto drückender die Last dieses Erbes. |