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ÖZP 2005/2, 119-132 [INHALT] [Englisch] Marion Löffler (Wien) Staatlichkeit ist ein sich selbst erklärender Ausdruck und wird gemeinhin auch verstanden. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass Staatlichkeit unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Staatlichkeit steht häufig im Zusammenhang mit der Thematisierung von Transformationen, wobei gleichzeitig ein institutionell eng gefassten Staatsverständnisses zum Einsatz kommt. Am Beispiel des Netzwerkparadigmas wird erläutert, warum kritische Staatsbetrachtung in einem solchen begrifflichen Rahmenwerk unmöglich ist. Der Staat wird herrschaftstheoretisch neutralisiert. Um die herrschaftlichen Dimensionen des Staates zu benennen, ist es notwendig Staatlichkeit als Konzept kritisch aufzurüsten. Im zweiten Teil des Artikels werden einige Ansätze feministischer Staatsbetrachtung im Hinblick auf eine kritische Verwendung von Staatlichkeit vorgestellt. Mit der Integration der Kategorie Geschlecht in geschlechtsblinde Konzepte der Politikwissenschaft werden diese grundlegend verändert. Daher hält feministische Staatstheorie ein Innovationspotential bereit. Eine geschlechterkritische, konzeptionelle Fassung von Staatlichkeit überbrückt die Trennung von Staat und Gesellschaft, ohne die Herrschaftsdimensionen aus dem Blick zu verlieren. ÖZP 2005/2, 133-146 [INHALT] [Englisch] Stefan Fritsch (Salzburg) Obwohl Technologie viele Bereiche der internationalen Beziehungen/internationalen politischen Ökonomie entscheidend mitbeeinflusst, wird ihrer Rolle in den theoretischen Diskussionen nur wenig Aufmerksamkeit zuteil. Trotzdem sie für zahlreiche systemtransformierende Prozesse (Globalisierung/Transnationalisierung) mitverantwortlich zu machen ist, wird Technologie in der Regel als passives, exogenes und apolitisches Artefakt, das quasi von außen in das internationale System hineinwirkt, konzipiert. Stattdessen plädiert der Beitrag dafür, Technologie in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen und Auswirkungen als einen endogenen, sprich, systemimmanenten und politisch relevanten Faktor zu begreifen, der auch fest im internationalen System verhaftet ist und dort wirkt, parallel dazu und in zunehmendem Maße aber erst auf globaler Ebene hinsichtlich seiner systemischen Auswirkungen effizienter beeinflusst und (re)reguliert werden kann. Im Vordergrund des Beitrags steht der Versuch aufzuzeigen, inwiefern Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Technikforschung (Technikphilosophie, Techniksoziologie, Technikgeschichte) Theoriediskussionen der Internationalen Beziehungen substantiell bereichern könnten. ÖZP 2005/2, 147-162 [INHALT] [Englisch] Thomas Paster (Florenz) Die freiwillige Koordinierung nationaler Politikbereiche und der Vergleich von "Best Practice" Modellen durch die "Offene Methode der Koordinierung" (OMK) haben in den letzten Jahren eine intensive Debatte in der Politikwissenschaft ausgelöst. Kann die OMK innerstaatlichen Politikwandel fördern? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Dieser Artikel analysiert diese Frage aus theoretischer Perspektive, in dem eine rationalistische und eine konstruktivistische Perspektive verglichen und kombiniert werden. Aus rationalistischer Sicht werden konvergierende Akteurspräferenzen, der "Schatten der Hierarchie", sowie "unterschiedliche Ermächtigung" als zentrale Erklärungsfaktoren für paradigmatischen Politikwandel identifiziert. Aus konstruktivistischer Sicht wird die Bedeutung von kommunikativen und koordinativen Diskurs als Mechanismen der Überzeugung und der Wissensproduktion betont. Der Artikel schlägt eine komplementäre Kombination dieser beiden gegensätzlichen, jedoch nicht inkompatiblen, Ansätze vor und kommt, auf Basis der analysierten Faktoren, zu dem Schluss, dass die Wirkungseffizienz der OMK in der Praxis gering sein wird. ÖZP 2005/2, 163-176 [INHALT] [Englisch] Martin Dolezal (München) Der vorliegende Beitrag beruht auf der These, dass die Globalisierung zu einer Rekonfiguration nationaler gesellschaftlicher Konfliktlagen führt. Untersucht wird dies anhand von Veränderungen des Parteienwettbewerbs in Österreich von 1975 bis 2002. Die thematischen Positionierungen der Parteien wurden durch eine quantitative Inhaltsanalyse der Wahlkampfberichterstattung in Printmedien gewonnen und mittels einer multidimensionalen Skalierung in einem politischen Raum dargestellt. Die Analyse zeigt den Wandel des Parteienwettbewerbs und die inhaltlichen Angebote der Parteien für GewinnerInnen und VerliererInnen der Globalisierung. ÖZP 2005/2, 177-190 [INHALT] [Englisch] Reinhold Elges (Potsdam) Um aktuelle Ansätze international induzierter Staatsbildung besser zu verstehen, sollten die zentralen Konzepte, auf welchen sich diese Praktiken gründen, erneut untersucht werden. Zerlegt man Staatsbildung in ihre Einzelkomponenten, so zeigt sich die enorme Weite des Feldes, und schließlich die Notwendigkeit, gängige Praktiken der Internationalen Gemeinschaft zu hinterfragen. Staatsbildung bedeutet im Grunde Institutionen zu entwickeln, welche die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft regeln. Institutionen bestehen nicht nur aus formalen Regelsystemen, sondern ebenso aus informellen Normen und wie beide angewandt und durchgesetzt werden. Dies wirkt sich auf die Transferierbarkeit von Institutionen aus. Der vorliegende Beitrag schließt, dass dem Ziel der Staatsbildung mehr durch eine Betonung der Prozesse institutioneller Entwicklung gedient ist, als durch die Auferlegung vorgefertigter 'Lösungen'. Der Prozess der lokalen Problemlösung durch neue Staatsstrukturen, wie fehlerhaft und ineffektiv er auch erscheint, ist Grundvoraussetzung für dauerhaften Wandel. ÖZP 2005/2, 191-206 [INHALT] [Englisch] Manfred Oberlechner (Salzburg) Vorbei ist die Blütezeit des Lager- bzw. Säulendenkens in Österreich und den Niederlanden. Im Unterschied zum niederländischen Säulensystem, das vier Säulen aufwies (die protestantische, die katholische, die humanistisch-liberale und die sozialistische), kennzeichnete das österreichische Säulensystem zwei (die katholisch-konservative und die sozialistische) bzw. "zweieinhalb" Säulen ("zweieinhalb", da das deutsch-nationale Lager in sich zu zersplittert war, um eine eigene Säule zu bilden). Der Vergleich struktureller Versäulungen in Österreich und den Niederlanden ist insofern von besonderem Interesse, als beide Staaten in der jüngeren Vergangenheit durch neokorporatistische bzw. konsoziative politische Systeme geprägt waren und zu Zielpunkten umfangreicher Einwanderungen geworden sind, sich jedoch in den Einwanderungspolitiken und politischen Diskursen über ImmigrantInnen deutlich unterscheiden: Im Unterschied zu den Niederlanden, welche man als eine pluralistische Demokratie versäulter Minderheiteninteressen im Sinne des Konsoziationalismus bezeichnen konnte, bildete die Konkordanzdemokratie Österreichs lange Zeit geradezu die Antithese zu einem pluralistischen Österreich. |