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ÖZP 2006/1, 7-23 [INHALT] [Englisch]
Helmut Gassler (Wien) / Wolfgang Polt (Wien) / Christian Rammer (Mannheim) Die Frage der richtigen Schwerpunkt- und Prioritätensetzung beschäftigt die Forschungs- und Technologiepolitik seit ihren Anfängen. Nach dem Zweiten Weltkrieg können mehrere Paradigmen in der Schwerpunktsetzung beobachtet werden: die klassische Missionsorientierung im Bereich der Atom-, Raumfahrt- und Rüstungsforschung, die industriepolitisch motivierte Ausweitung auf eine große Zahl an "Schlüsseltechnologien" mit breitem wirtschaftlichen Anwendungsspektrum, die Betonung von generischen Maßnahmen im Zusammenhang mit systemischen und Cluster-Ansätzen sowie die thematische Schwerpunktsetzung entlang von gesellschaftlichen Problemfeldern. In diesem Beitrag werden diese Paradigmen, ihre Charakteristika und die zu ihrer Legitimation herangezogenen Begründungszusammenhänge dargestellt. Dabei wird gezeigt, dass es zwar zu einer Weiterentwicklung der Ansätze kommt und sich historisch vorlaufende Ansätze als nicht hinreichend differenziert und den neuen Anforderungen des Innovationssystems gewachsen herausstellen, dass die Entstehung eines neuen Paradigmas das vorangegangene aber nicht vollständig ablöst. Vielmehr bauen die einzelnen Ansätze der Schwerpunktbildung aufeinander auf, sodass es zu einer sukzessiven Überlagerung und Koexistenz kommt - mit Konsequenzen für den (wachsenden) Komplexitätsgrad von Forschungs- und Technologiepolitik. ÖZP 2006/1, 25-44 [INHALT] [Englisch] [Volltext] David F. J. Campbell (Wien)
Den konzeptionellen Rahmen des gegenständlichen Beitrages bilden Überlegungen zur Bedeutung der Wissensbasis für Gesellschaft und Wirtschaft und das Konzept des "Wissensstaates", der die Bedingungen der Wissensbasis reflektiert und durch Politik entsprechend zu fördern versucht. Die Analyse beschäftigt sich vor diesem Hintergrund aus international vergleichender Perspektive mit Strukturen, Herausforderungen und Entwicklungsoptionen nationaler (bzw. national aggregierter) Forschungssysteme und operationalisiert zentrale einschlägige Fragestellungen und Problemzusammenhänge an Hand von quantitativen Indikatoren. Als Forschungssysteme werden dabei die EU, die USA und Japan differenziert. Die Indikatoren, die zu ihrer Analyse herangezogen werden, sind auf unterschiedlicher Ebene angesiedelt. Erstens wird, zur generellen Einschätzung der Platzierung der jeweiligen Forschunsgsräume, die Entwicklung der Gesamtforschungsaufwendungen nachgezeichnet und verglichen. Zweitens stellt sich die Frage nach den jeweiligen Finanzierungsformen (Staat versus Wirtschaft), drittens nach den jeweiligen Mustern der Durchführung differenziert nach Forschungseinrichtungen (Universitäten versus Wirtschaft). Nicht zuletzt ist viertens die inhaltliche Verteilung über verschiedene F&E-Aktivitäten (Grundlagenforschung, angewandte Forschung bzw. experimentelle Entwicklung) für die gegenwärtige Platzierung der jeweiligen Forschungssysteme und ihre Entwicklungsoptionen relevant. Die Ergebnisse werden schließlich in einer skizzenhaften vergleichenden Typologie nationaler (bzw. national aggregierter) Forschungssysteme verdichtet und diese zur Diskussion gestellt.. ÖZP 2006/1, 45-56 [INHALT] [Englisch] Guy Ben-Ari (Washington)
Dieser Beitrag verwendet das Bureaucratic-Politics-Paradigma zur Analyse von Forschungs- und Entwicklungsprogrammen des militärischen Sektors. Gegenstand der Untersuchung sind einschlägige Forschungs- und Entwicklungsprogramme in den USA und Israel sowie daraus ableitbare Schlussfolgerungen für die Europäische Union, wo gegenwärtig Bestrebungen zur Initiierung militärischer F&E-Programme auf Gemeinschaftsebene stattfinden. Das Bureaucratic-Politics-Paradigma ist ein tauglicher Ausgangspunkt zum besseren Verständnis politischer Prozesse der Innovation im Bereich nationaler Sicherheit: Es liefert einen systematischen Rahmen zur Erklärung, wie verschiedenen Elemente des Regierungssystems in einem politischen System, in welchem politische Macht bewusst fragmentiert und über eine große Anzahl von Akteuren verteilt ist, zu Entscheidungen kommen. Vor diesem Hintergrund kommt der Beitrag zu dem Schluss, dass politische Entscheidungsfindung im Bereich militärischer F&E-Investitionen auf einem Kompromiss zwischen unterschiedlichen Positionen verschiedener politischer Interessen, unter anderem im Bereich der staatlichen Bürokratie, basiert. Positionen der politischen Spitze steuern die Aktivitäten unterschiedlicher Elemente der Verwaltung einerseits zu einem gewissen Grad, andererseits werden diese nicht automatisch und eins zu eins in Maßnahmen umgesetzt. Zur Implementierung von F&E-Policies im Sinn ihrer Planung sind andauernde Verhandlungen und Wieder-Verhandlungen zwischen politischen Amtsträgern, der Bürokratie, dem Militär, der Industrie und anderen externen Interessengruppen notwendig. ÖZP 2006/1, 57-73 [INHALT] [Englisch] Hans Pechar (Wien) Um die Mitte des 20. Jahrhunderts sicherte die Form der öffentlichen Finanzierung den britischen Universitäten ein im internationalen Vergleich einzigartiges Ausmaß an Unabhängigkeit gegenüber den Einflüssen von Staat und Markt. Ab den 1980er Jahren fand ein radikaler Kurswechsel statt. Es wurde ein hochgradig formalisiertes System der öffentlichen Hochschul- und Forschungsfinanzierung entwickelt, das sicherstellen soll, dass die von der Regierung bereitgestellten Mittel dazu dienen, die politisch definierten Ziele umzusetzen. Dieses Paper stellt den britischen Sonderfall in einen vergleichenden Kontext und diskutiert die wichtigsten Veränderungen, die eine Erosion dieses Musters bewirkt haben. Bei der Finanzierung der Lehre wurden erstens die Ausgaben pro Studierenden drastisch reduziert, was von der Politik als "efficiency gains" bezeichnet wird. Zweitens erfolgt die öffentliche Basisfinanzierung der Forschung in Abhängigkeit von einer regelmäßigen Evaluierung der Forschungsleistungen ("Research Assessment Exercise"). Drittens wird die Projektfinanzierung der Forschung durch die Research Councils in ungewöhnlich starker Form an wirtschafts- und gesellschaftspolitische Relevanzkriterien gebunden. ÖZP 2006/1, 75-92 [INHALT] [Englisch] Sylvia Kritzinger / Barbara Prainsack / Helga Pülzl (Wien) Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, warum und auf welche Weise sich forschungspolitische Strategien im nationalstaatlichen Gefüge verändern. Zur Beantwortung dieser Fragen ziehen wir zwei Fallbeispiele aus der österreichischen Forschungspolitik heran: Wir behandeln die Neuregelung des Doktoratstudiums ("Doktorat neu") an den österreichischen Universitäten, und die institutionelle Umstrukturierung innerhalb der österreichischen Forschungsförderung durch die Errichtung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Mit Hilfe von Policy-Dokumenten und ExpertInnen-Interviews gehen wir dabei jeweils den Fragen nach, wie diese Entscheidungen - vom agenda setting bis hin zur (insoweit vorhandenen) Implementierung - zustande gekommen sind, welche AkteurInnen involviert waren, und insbesondere, woher die entscheidenden Impulse zur Veränderung gekommen sind. Diesen Wandel der forschungspolitischen Strategien analysieren wir unter der Zuhilfenahme von systemanalytischen und Netzwerk-orientierten Zugängen und nehmen dies zum Anlass zu Ausführungen darüber, welcher der beiden Ansätze fruchtbarere Einsichten liefert. ÖZP 2006/1, 93-107 [INHALT] [Englisch] Cornelia Beyer (Landau)
Die Vereinigten Staaten führen einen Krieg der Worte. Ihre Rhetorik dient als Grundlage für die Strategien im Kampf gegen den Terrorismus. Aus den Beschreibungen des Phänomens leiten sich die tatsächlichen politischen Aktionen ab. Laut den Ergebnissen aus der neuen Kriegs- und Terrorismusforschung sind dabei drei Möglichkeiten der Beschreibung oder Deutung denkbar: a) Der internationale Terrorismus wird in fremden Nationen verortet, b) er kann as primär transnationales Netzwerk beschrieben werden oder c) als Phänomen, das hauptsächlich in den jeweils angegriffenen Staaten selbst verortet wird. Entsprechend der Deutungen und Wahrnehmungen bezüglich des internationalen Terrorismus ergeben sich logisch verschiedene Strategien zu seiner Bekämpfung. Die Strategie der Vereinigten Staaten leitet sich aus der Verortung des Terrorismus in fremden Nationen, den so genannten "haven states", ab. Aus diesem Verständnis ist sie zumindest logisch nachvollziehbar. Die Kriegs- und Terrorismusforschung kommt jedoch zu abweichenden Beschreibungen und damit auch Empfehlungen zu der Bekämpfung von Terrorismus. Dies lässt die Einschätzung zu, dass die Strategien der Vereinigten Staaten nicht auf eine rasche Verminderung des internationalen Terrorismus angelegt sind, sondern auf einen langfristigen Konflikt speziell mit Staaten des Mittleren und Nahen Ostens. |