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1998/3 Die politische Dimension selbstreflexiver Verfahren The Political Dimension of Self-Reflective Procedures |
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ÖZP 98/3, 227-240 [INHALT] [English] Otmar Höll (Laxenburg/Wien) Ausgehend von der Feststellung, daß gegenwärtig die Politikwissenschaft (und die Sozialwissenschaften im allgemeinen) nicht auf der Höhe der notwendigen Zeitdiagnostik agiert, versucht der Autor vor dem Hintergrund des epochalen globalen Strukturwandels Gründe für diesen Mangel aufzufinden. In Anlehnung an Autoren wie A. Giddens, U. Beck und andere wird auf das nicht eingelöste Versprechen von Aufklärung und Moderne verwiesen, das von einer Gleichsetzung von gesichertem Wissen und gesellschaftlicher Kontrolle ausging. Im Gegensatz dazu dominieren heute menschlich produzierte Risikobelastung, gesellschaftliche Verunsicherung und Orientierungslosigkeit in den Industriegesellschaften. Zum besseren Verständnis, aber auch um adäquate Handlungsvorschläge unterbreiten zu können, werden die Einbeziehung von Erkenntnissen und Methoden sozial innovativer Verfahren der Selbstreflexion zum Zweck der Durchdringung und Verfeinerung sozialwissenschaftlicher Analysen empfohlen. ÖZP 98/3, 241-252 [INHALT] [English] Johann August Schülein
(Wien) Sozialwissenschaftliches Denken entwickelte sich in enger Verbindung mit einer psychologisch angelegten Anthropologie. Im Laufe ihrer Professionalisierung grenzten sich die Sozialwissenschaften immer stärker gegen dieses Begründungsverfahren ab und entwickelten statt dessen Subjekt-Konzepte mit eigenen (Theorie-)Mitteln. Diese Subjekt-Konzepte sind typischerweise monologisch angelegt (d.h. sie folgen der Theorielinie, in der und für die sie entwickelt wurden) und sie sind un-psychologisch konzipiert. Daraus ergibt sich einerseits eine Diskrepanz zwischen monologischer Theoriekonzeption und der multiplen Logik psychischer Prozesse, andererseits ein Kontaktverlust mit psychologischen Theorieangeboten. Beides steht einer qualifizierten Weiterentwicklung sozialwissenschaftlicher Subjekt-Theorie im Weg. ÖZP 98/3, 253-270 [INHALT] [English] Volkmar Lauber (Salzburg) Führende technikkritische Philosophen - insbesondere Jacques Ellul und Langdon Winner - vertreten die Ansicht, soziale oder Humantechniken dienten ausschließlich dem Zweck, die Menschen in einem irreversiblen Prozeß dem Wachstum der Technik zu immer größerer Effizienz und Komplexität anzupassen. Dies wird an einigen Beispielen illustriert. Anschließend werden jedoch eben diese Annahmen anhand von Beispielen aus dem Bereich der Selbstentfaltungstechniken in Frage gestellt. Es werden Techniken beschrieben, die der Behauptung des Selbst (der menschlichen "Natur") gegen die Anpassung dienen, bereits erfolgte "Technisierung" beim Menschen wieder umkehren und somit zu niedrigerer Komplexität führen können. Man könnte von Technik der "Renaturierung" weitgehend technisierter Lebensprozesse sprechen. Derartige Techniken dürfte es laut Ellul gar nicht geben. Ihr Ziel ist allerdings nicht die Wiederherstellung einer als urspünglich gedachten (oder gar einer sozialdarwinistischen) Natur. Vielmehr geht es darum, die Lebendigkeit nachwachsender Prozesse zu erhalten und sie gleichzeitig mit langfristiger ("nachhaltiger") menschlicher Nutzung zu kombinieren. ÖZP 98/3, 271-284 [INHALT] [English] Kathleen Höll
(Wien) Für den einzelnen Bürger/die einzelne Bürgerin, obwohl "Souverän" der Demokratie, existieren in der deutschsprachigen Politikwissenschaft kaum Ansätze zu einer Theorie autonomen und verantwortlichen politischen Handelns. Die Gestalttherapie als eine Richtung unter anderen, die sich mit Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung befassen, wird im Hinblick auf ihre politische Relevanz dargestellt. In den Blick genommen wird auch die historische Kurzsichtigkeit der Gesellschaftswissenschaften, die zu einem verkürzten Verständnis der Moderne geführt hat. ÖZP 98/3, 285-300 [INHALT] [English] Stavros Mentzos (Frankfurt
am Main) Daß Technologien einen Einfluß auf intrapsychische Prozesse und psychosoziale Bezüge des einzelnen ausüben, ist eine Selbstverständlichkeit. Die Frage jedoch, ob nicht auch umgekehrt, gewisse ("normale" und neurotische) psychische Bedürfnisse des Individuums ihrerseits indirekt zur Stabilisierung der Technologien und der sie tragenden Institutionen führen, wird selten gestellt. Mit Hilfe der Konzeptionen des "psychologischen Nebenangebots der Institutionen" und desjenigen des "psycho-sozialen Arrangements" wird der Versuch unternommen, diese Frage zu beantworten. Es zeigt sich, daß solche Kollusionen, im Sinne einer institutionalisierten Abwehr zwischen technologisch beherrschten Institutionen und Individuum, tatsächlich entstehen. Obwohl die Technlogien per se wertneutral sind, kommt es häufig vor, daß die faktische Sachbezogenheit und die Faszination der Technik neurotisch-defensive und kompensatorische Funktionen beim Individuum übernehmen. Dadurch erfahren die Technologien einen zusätzlichen Prestigezuwachs und eine Beliebtheit, welche sie als Unterdrückungs- und Kontrollinstrumente - oder wenigstens als Mittel einer unfreien Adaptation - geeignet erscheinen lassen, die wiederum von gesellschaftlichen Kräften und Gruppierungen benutzt bzw. mißbraucht werden können. ÖZP 98/3, 301-310 [INHALT] [English] Gertraud Diem-Wille
(Wien) Im folgenden steht zur Diskussion, wie psychoanalytische Konzepte, die sich mit dem Denken über Übertragung und Gegenübertragung, Individualität und Institution beschäftigen, einen nützlichen Beitrag zur Durchführung von Forschungsprojekten leisten, die sich mit Organisationen im Wandel befassen. Diese Phänomene werden am Beispiel eines Forschungsprojektes "Implikationen der Sprachenvielfalt bei der Versorgung von Patienten in Psychiatrischen Spitälern im Westkap/Südafrika" dargestellt. Wir zeigen, wie wichtig es für ein Forschungsteam ist, eine Außenperspektive einzunehmen und zwar am Rande der zu untersuchenden Organisation. Der Beitrag des psychoanalytischen Denkens für Sozialforschung wird dargestellt, indem die Dimensionen des Unbewußten bei der Arbeit in Organisationen, die Übertragung und Gegenübertragung sowie individuelle "blinde Flecken" reflektiert werden. ÖZP 98/3, 311-324 [INHALT] [English] Roland Deiser (Los
Angeles/Wien) Die Management- und Organisationswissenschaft ist durch einen in den letzten zehn Jahren erfolgten Paradigmenwechsel in eine Situation geraten, wo sie für die Bewältigung ihrer Fragestellungen existentiell auf eine kreative multidisziplinäre Zusammenarbeit angewiesen ist, wobei prozeßorientierte Konzepte, die ihre Wurzel in qualitativen sozialwissenschaftlichen Perspektiven haben, eine zunehmend prominente Rolle einnehmen. Dies gilt besonders für den bislang von mechanistisch-ökonomistischen Ansätzen beherrschten Bereich strategischen Managements. Dort geht es heute darum, ein komplexes Spannungsfeld zwischen autopoietischen Organisationsdesigns und strategischer Handlungskompetenz in sich rasch wandelnden und zunehmend unvorhersehbaren Umwelten zu verstehen und aktiv zu gestalten. In diesem sich eben konstituierenden Feld neuer managerieller Anforderungen könnte - und sollte - die Politikwissenschaft mit ihrer Tradition eines qualitativen Verständnisses komplexer sozialer und politischer Strukturen, Systeme und Prozesse eine maßgebliche Rolle spielen. ÖZP 98/3, 325-340 [INHALT] [English] Rudolf Wimmer (Wien) Organisationsentwicklung konzentriert sich als eine der Ausprägungen angewandter Sozialwissenschaften auf die gezielte Unterstützung des Wandels von Organisationen. Die theoretischen Grundlagen dieser Disziplin ebenso wie ihr praktisches Interventionsrepertoire wurden in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg erarbeitet. Der vorliegende Artikel geht der Frage nach, inwieweit diese Tradition der Theoriebildung und der Intervention in soziale Systeme den aktuellen Verhältnissen in Organisationen nach angemessen ist. Zu diesem Zweck wird der These genauer nachgegangen, daß in den neunziger Jahren, bedingt durch einschneidende Veränderungen unseres Wirtschaftssystems, viele Unternehmen gezwungen waren, ihre tradierten Organisationszustände radikal umzubauen. In Abgrenzung zur klassischen Hierarchie sind hier neue Organisationsarchitekturen entstanden, die durch ein wesentlich höheres Maß an Eigenkomplexität gekennzeichnet sind. Da die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen einer weitreichenden Transformation von Organisationen heute aktueller denn je ist, plädiert die vorliegende Arbeit für eine Wiederaufnahme der OE-Debatte allerdings mit einem veränderten Theoriehintergrund. ÖZP 98/3, 341-346 [INHALT] [English] Emo Gotsbachner (Wien) Das hier vorgestellte Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Identitäten als Orten sozialer Kontrolle und Ermächtigung, empirisch untersucht anhand der gesellschaftlichen Zuweisungen, wie sie in Ausländerdiskursen beobachtet wurden. Methodisch auf Feldforschung und Konversationsanalyse gestützt, untersucht es Prozesse der Aushandlung von gegenseitigen Zuschreibungen, von Würde, sozialem Status und informellen Rechten, die in natürlichen Gesprächen solche sozialen Verortungen reproduzieren. In Gesprächen unter Einheimischen wurden zuerst die diskursiven Strategien und eingeübten Stereotype im Sprechen über "Ausländer" beobachtet, wie sie Abgrenzungen und Zuweisungen vornehmen sowie soziales Gefälle verteidigen. Besonderes Augenmerk galt den Klischees, die in Gesprächen bereits als soziales Wissen über Zuwanderer verwendet werden, und der diskursiven Dynamik, wie diese Bilder "kippen", d.h., bevorzugt in feindliche und negative Konnotationen abrutschen. Solche Ausländerbilder dienen Alteingesessenen in der Konfrontation mit Zuwanderern auch als symbolische Ressource, um situationsabhängig bestimmte Zwecke zu erreichen. |