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1999/4 Politische Strömungen in den USA Political Developments in the United States |
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ÖZP 99/4, 375-390 [INHALT] [English] Hans Vorländer (Dresden) Liberale Tradition und kultureller Konservatismus in den USA gehen Hand in Hand. Dies zeigt die Entstehung des amerikanischen Kapitalismus aus dem Geist des Puritanismus. Liberale Tradition und kultureller Konservatismus sind bis heute die wesentlichen Konstitutiva der politischen Tradition und die entscheidenden Wegmarken der amerikanischen politischen Entwicklung. Innerhalb der durch diese Grenzen gezogenen politischen Kultur haben sich progressive und konservative politische Bewegungen im 20. Jahrhundert ausgebildet. ÖZP 99/4, 391-404 [INHALT] [English] Rainer Prätorius (Hamburg) Der Aufsatz wendet sich gegen eine vereinfachende und verbreitete Sicht des religiösen Einflusses auf die US-Politik; dieser ist nicht im generellen Moralismus einer ganzen Nation zu suchen, sondern sollte eher in einem Muster an Einflüssen untersucht werden, das so vielgestaltig wie die religiöse Landschaft selbst ist. Aus diesem Grund ist die Einordnung der USA als "christliche Nation" auch nur eine Minderheitsmeinung, wohingegen aber der Gebrauch religiöser Bezüge und Symbole in der Öffentlichkeit weithin akzeptiert wird. Religiöse Variablen erklären selten enge Policy-Präferenzen, doch robuste Korrelationen mit politischen Loyalitäten konnten kontinuierlich bestätigt werden. Zusätzliche Einflüsse (wie Ethnizität, Elitenverhalten) dürfen nicht vernachlässigt werden; die mögliche Annäherung zwischen Schwarzen und Evangelikalen ist dafür ein Beispielfall. In der Zukunft wird der religiöse Einfluß auf die organisierte Politik wahrscheinlich noch schwerer vorhersagbar, weil die Religion selbst in eine desorganisierte Richtung und zu Symptomen individualisierter Spiritualität tendiert. ÖZP 99/4, 405-418 [INHALT] [English] Alice Ludvig (Wien) Black Feminism, der Feminismus Schwarzer Frauen, versteht sich als Gegenentwurf zu rassistischer und sexistischer Diskriminierung. Dieser Beitrag bietet einen Überblick über die theoretischen Konzepte und Kritiken von Black Feminists in den USA. Bei ihnen geht es um die Feststellung von multiplen Überschneidungen der verschiedenen Unterdrückungsformen, die nicht als additiv zu verstehen sind. Sexismus und Rassismus addieren sich nicht, sondern sind überlappend und zumeist gleichzeitig wirksam. Ein weiterer Kritikpunkt von Black Feminism setzt am übrigen Feminismus an: Weiße Feministinnen in den USA haben Schwierigkeiten, die Privilegien, die sie aufgrund ihrer Hautfarbe genießen, zur Kenntnis zu nehmen. Im Beitrag werden daher die Differenzen zwischen Weißem und Schwarzem Feminismus, die nicht zuletzt ein Resultat der historischen Beziehungen zwischen den "Rassen" in den USA sind, behandelt. Die Anita Hill/Clarence Thomas-Kontroverse von 1991 dient anschließend als Fallbeispiel für das Zusammenspiel der Kategorien race und gender. Die Kontroverse zeigt die unterschiedlichen Spaltungen und Allianzen innerhalb der amerikanischen Bevölkerung. Dabei wird auch auf den Stellenwert von Politik eingegangen. Traditionell haben sich Schwarze Frauen in den USA eher wenig mit der feministischen Bewegung identifiziert, sondern waren stattdessen eher in der Bürgerrechtsbewegung politisch aktiv. Der vorliegende Artikel möchte die diesbezüglichen Hintergründe transparent machen. ÖZP 99/4, 419-433 [INHALT] [English] Fritz Plasser (Innsbruck/Wien) Während die USA einen beispiellosen ökonomischen Konjunkturzyklus durchmachen, droht ihr politisches Vertrauenskapital ernsthaften Schaden zu nehmen. Aus der Vertrauenslücke der siebziger Jahre ist in den neunziger Jahren eine Vertrauenskrise geworden. Politischer Zynismus und sinkendes Vertrauen in zentrale Institutionen und Akteure des politischen Systems destabilisieren den Regierungs- und Wahlprozeß in den USA. Ausmaß und Ursachen dieser politischen Malaise zu untersuchen, steht im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrags, der auch komparative Bezüge zur Entwicklung des politischen Vertrauens in westeuropäischen Demokratien herstellt. ÖZP 99/4, 435-450 [INHALT] [English] Die Vereinigten Staaten sind ein "verspäteter Sozialstaat". Ihre Sozialpolitik hat als massenwirksames Programm erst vergleichsweise spät begonnen und sich niemals auch nur annähernd zu jenem Sicherungssystem entfaltet, das in Europa weitgehend als selbstverständlich gilt. In den letzten Jahren, den Jahren der neoklassischen Wirtschaftspolitik, der Globalisierung und der Budgetdefizite, dominierte eher die Abbau- und Kürzungsdiskussion. Die Diskussion über den amerikanischen Wohlfahrtsstaat ist nur eine der Varianten eines tieferen Kulturkonflikts in der amerikanischen Gesellschaft. Er wird im sozialpolitischen Bereich als Kampf um "Bilder des Sozialstaates" und der Individuen in ihm, als Kampf um die richtige Auffassung über das Wesen des Staates und über die Interpretation des American Dream geführt. Es geht auch um die Einschätzung von social security und welfare, um die Kompetenzverteilung zwischen Bundesstaat und Einzelstaaten, um die Idee der "Gemeinschaften" und der "Vermarktlichung" sozialpolitischer Risikenabdeckung. ÖZP 99/4, 451-461 [INHALT] [English] Dieter Klammer (Maria Wörth) Das Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist eine österreichweite, systematische Untersuchung der BürgermeisterInnen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Analyse ihrer biographischen Charakteristika, ihres Aufstiegs in die lokale (Positions-)Elite, ihrer sozialen und regionalen Herkunft und ihrer persönlichen Qualifikation. Die Datengrundlage bildet eine schriftliche Befragung der österreichischen BürgermeisterInnen im ersten Halbjahr 1998. Generell kann festgestellt werden, daß das Sozialprofil der BürgermeisterInnen keineswegs einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellt: Männer, selbständig Erwerbstätige, Landwirte, gut Ausgebildete und Personen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren sind deutlich überrepräsentiert. Differenziert nach Parteizugehörigkeit ist als lokalpolitische Dominante die Österreichische Volkspartei (ÖVP) auszumachen. ÖZP 99/4, 463-473 [INHALT] [English] Klaus Armingeon (Bern) Im Vergleich mit anderen Demokratien zeichnet sich die Regierungskoalition auf Bundesebene in der Schweiz durch eine grosse Stabilität aus. Wie lässt sich diese Beständigkeit erklären? Der Beitrag geht von den Ergebnissen der systematisch-empirischen, international vergleichenden Forschung zur Stabilität von Regierungskoalitionen aus. Die zentrale These lautet, dass im Vergleich mit anderen Demokratien die Regierungszusammenschlüsse in der Schweiz viel weniger durch widrige Umstände herausgefordert werden. Viel mehr als in anderen Ländern profitieren sie von einer Häufung stabilisierender Bedingungen, und zudem gibt es noch eine Reihe institutioneller Schweizer Eigentümlichkeiten, die die Stabilität weiter erhöhen. |